“Killerspieler” gesellschaftlich gleichzusetzen mit Pädophilen?

Die meisten Menschen würden bei der Headline nun verständlicherweise zusammenschrecken und sich fragend an den Kopffassen. Was nach einer Stammtischparole von Mittsechziger in einer verrauchten Dorfkneipe klingt  kommt eigentlich vom bayerischen Innenminister Joachim Herrmann. In seiner Presseerklärung vom 31.03.2009 schreibt er:

Portrait Herrmann

Joachim Herrmann

“In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand in Frage stellt.” – Presseerklärung vom 31.03.2009

Mit dieser Aussage werden Millionen von Spielern, nicht nur in Deutschland, diffamiert und auf unterstem Niveau Hetze gegen eine ganze Bevölkerungsgruppe gemacht. Zwar muss ich selber anmerken, dass die Diskussion seit dem tragischen Amoklauf in Winnenden schon wesentlich sachlicher geführt wird als damals nach dem Amoklauf in Erfurt. Doch nehmen einige wenige Politiker zum Teil extremere Positionen an, die zum Teil den Zweifel aufkommen lassen, ob diese überhaupt noch für Ihren Job geeignet sind. Denn in erster Linie sollen Politiker in einer Demokratie das Volk vertreten und im Interesse des Volkes handeln. Das die Realität oft eine andere ist, hat man ja als halbwegs Politikinteressierter schon des öfteren feststellen müssen, doch in diesem Ausmaß ist es doch eher eine Seltenheit. Dieser Rundumschlag diskrimiert dabei noch nicht mal nur die Computerspieler sondern wird auch die Opfer von Kinderpornographie verletzen und erniedrigt die Opfer erneut.

Dass es dem Herrn Herrmann offenkundlich an Medienkompetent mangelt, hat sogar schon der Medienpolitische Sprecher der CDU festgestellt. Für mich wirkt es, als leide der Herr Herrmann zunehmend unter Realitätsverlust. Er solle sich nochmal in Erinnerung rufen, warum Kinderpornographie und die meisten Drogen verboten sind. Kinderpornographie und Drogen haben direkt reale Opfer, während es in Computerspielen virtuelle Kugeln auf virtuelle Personen hagelt. Wenn ein Spieler in Crysis einen Pixel-Menschen virtuell tötet, stirbt niemand reales durch Voodoo deswegen auf der Welt. Auch die Kausalität zwischen Amoklauf und Gewaltspielen ist nicht bewiesen, nein ist sogar extrem unwahrscheinlich, wenn man sich die Zahl der spielenden Menschen anschaut. Würde es eine solche Kausalität geben, müssten wir inzwischen täglich von mindestens einem Amoklauf hören und lesen.

Auch diese Doppelmoral stößt einem als Betroffener auf. Weder sind alle Drogen in Deutschland verboten, noch gibt es ernsthafte Forderungen von Politikern nach einem Alkoholverbot. Wieviele Unfalltote hat eigentlich inzwischen das Oktoberfest gekostet, oder allgemein Alkohol? Wieviel Ehen hat Alkohol zerstört und wieviele Kinder haben deswegen ein zerstörtes Elternhaus? Und trotzdem würde man nicht auf die Idee kommen Alkohol zu verbieten oder gar auf eine Stufe mit Kinderpornographie zu setzen. Warum? Weil die Allgemeinheit erkannt hat, dass es keine direkte Kausalität zwischen Alkohol und einem Unfalltoten gibt. Es kommt auf die Art der Verbindung und auf die Umstände an. Verantwortungsvoller Alkoholgenuss schadet niemanden und Eltern die sensibilisiert darauf achten, dass ihr Kind nicht den Alkohol missbraucht sind ausschlaggebend. Leider gibt es solche Eltern auch immer weniger. Was mich zur eigentlichen Ursache so mancher tragischen Erreignisse führt. Die sozialen Aspekte werden leider bei solchen Aussagen verharmlos, während man Dinge verteufelt, die man anscheinden selber nicht mal ansatzweise kennt. Computerspiele werden auf Unwahrheiten reduziert, und fatalerweise wird dann der Ursprung des Problem ignoriert.

Call Of Duty 4

Call Of Duty 4 (USK 18)

Gesetz dem Falle, es würden wirklich Gewaltspiele verboten werden (was aus meiner Sicht sehr unwahrscheinlich ist), was würde sich ändern? Nicht viel, denn auch jetzt gibt es die Möglichkeit Spiele zu indizieren. Man hätte hätte eine ganze Bevölkerungsgruppe kriminalisiert, und labile Personen bleiben trotzdem labil, wenn man weiter die sozialen Gründe ignoriert. Anstatt Mühen in blinden Aktionismus und Stammtischparolen zu verschwenden, sollte man wieder anfangen Bildung, unser wichtigstes Gut, ernster zu nehmen und unsere Schulen und Universitäten zum Aushängeschild Deutschlands werden zu lassen. Eine Bildung, auf die Deutschland stolz sein könnte, und kein Kind auf der Strecke bleibt. Aber anstatt mehr in Bildung zu investierten bleibt es oft nur bei Lippenbekenntnissen. Auch sollte man sich vor Augen führen, dass Deutschland sogar noch eine Wehrpflicht hat, und wo lernt der deutsche Mann, wenn er nicht Zivildienst leistet, besser das Tötungshandwerk? Gewaltspiele sind keine “Tötungstrainingssoftware”, zum realen Töten gehört mit Sicherheit mehr als einmal mit der Maus geklickt zu haben. Außerdem steht für viele Spieler nicht das Abschlachten oder Töten im Vordergrund, sondern der sportliche Aspekt bei Spielen wie Counter Strike oder der atmosphärische  Aspekt bei Spielen wie Call of Duty 4. Spiele bieten eine ganz andere atmosphärische Tiefe als Film, und auch deswegen sind Spiele so beliebt. Klar geht von dieser Tiefe eine Gefahr für Kinder aus, doch  die Verantwortung liegt bei den Eltern, und man sollte dieses Bewusstsein weiterhin fördern anstatt die Familie durch Gesetze und staatliche Regelungen zu ersetzen, denn das wird nie gelingen. Elterliche Führsorge lässt sich nie aus der Ferne ersetzen, dies würd nur zu einer weiteren Verkümmerung des Familienbewusstseins führen.

Früher waren es Bücherverbrennungen nun sind ist es die Forderung nach einem Verbot von Computerspielen mit Gewaltinhalt. Weg mit dem Feindbild “Neue Medien” und sinnlosen Verbotsforderungen.

Soweit war das mein Statement als überzeugter Spieler

PS.: Da ja auch oft von medieninkompetenten Politikern die Behauptung aufgestellt wird, dass Gewaltspiele überhand nehmen: USK Statistik 2008

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